Das Geschenk

In der Firma, in der ich auch gelernt hatte, habe ich später für drei Jahre in einer „Zwei-Mann-Abteilung“ gearbeitet. Mein Chef und ich.

Es war ein wirklich nettes Arbeitsverhältnis mit harmloser Schwärmerei meinerseits, die er auch als das genoss und mehr nicht.
Zu Geburtstagen und Weihnachten war es üblich, sich etwas zu schenken – von seiner Seite etwas kostspieliger als meinerseits, denn er war einer der gutverdienenden, höheren Abteilungsleiter, seine Frau verdiente noch mehr als er und ich war Berufsanfängerin.

Ich bekam also Reiseführer für geplante Urlaube mit meiner Freundin oder ähnliches – bestimmt teilweise auch aus den Werbegeschenken, die reichlich bei ihm landeten, aber egal – es war immer sehr geschmackvoll und passend von ihm für mich ausgesucht.
Nur, was sollte ich so jemandem schenken, der sich alles selber kaufen konnte?

Er liebte Gummibärchen. Als ich einmal ein blaues Plastik-Ansteckgummibärchen irgendwo sah, habe ich das sofort gekauft. Er trug es später an einer Krawatte und ich freute mich jedes Mal, wenn er diese umhatte.

Dann stand irgendwann wieder ein Geburtstag an… Was schenken?

Während meiner Grübelei kam der Chef herein und versuchte -wie so oft- das Thermometer abzulesen und scheiterte daran. Warum auch immer er das nicht konnte. Es war in der Fensternische draußen am Nordfenster befestigt und man musste etwas schräg gucken – ich fand es nicht schwer. Chef konnte es nicht!

Immer musste ich aufstehen, quer durch den ganzen Raum gehen und ihm die Temperatur ablesen. Teilweise amüsiert, teilweise genervt, verdrehte ich innerlich die Augen, aber weil er ein netter Chef war, half ich ihm gern.

Das war die Idee: Ein Thermometer, das man mit einem Saugnapf von außen an die Scheibe pappt und das man dann ganz einfach ablesen kann! Auch gar nicht teuer.

7,95 DM habe ich damals bezahlt und anschließend selber liebevoll verpackt. Das Thermometer war aus Kunststoff, ca. 3-4 cm im Durchmesser und hatte einen Saugnapf an der Oberseite.

Verpackt fühlte es sich an, wie – keine Ahnung – ein Kondom vielleicht… aber nicht wie ein Thermometer.

Der Geburtstag kam, es gab in der Kaffeepause auch Kuchen, ein befreundeter Kollege aus einer Ein-Mann-Abteilung war auch noch eingeladen und ich überreichte mein Geschenk.

Chef sah mich an und fühlte erstmal. Ich grinste und sagte: „Da können Sie nicht durch Fühlen darauf kommen, was es ist!“

Chef fühlte weiter testend an dem kleinen runden Geschenk herum und sah mich weiter prüfend an. „Dohoch, ich weiß was das ist!“

„Niemals!“

„Doch! Das ist so ein Thermometer, was man mit einem Saugnapf von außen an die Scheibe machen kann, damit ich Sie nicht immer fragen muss, wegen der Temperatur.“

Wenn jemals irgendwann, irgendwer Bauklötze gestaunt hat – dann war ich das in dem Moment. Fassungslos starrte ich ihn an und fragte: „Wie, um alles in der Welt sind Sie darauf gekommen?“

„Das kann ich Ihnen genau sagen,“ grinste er „Sie haben eben genauso geguckt, wie Sie immer gucken, wenn ich das Thermometer nicht ablesen kann!“

Ups…

Die Bärenjagd – Teil 2

Biene hatte am Abend ziemlich lange wachgelegen und nachgedacht, was sie wohl, wie jagen konnten. Ihre Bäreneltern, hatten die beiden beschlossen, wollten sie nicht fragen. Die wollten sie mit den Jagderfolgen überraschen. Überhaupt hatten sie nicht zuhause erzählt, wo sie den ganzen Tag „gespielt“ hatten. ‚Gespielt‘ hatten sie natürlich nicht – das war harte Arbeit gewesen!

Am Morgen beim Frühstück mit Oma-Bär hatte Biene dann eine Idee. Oma-Bär hatte erzählt, dass es am Wochenende Gänsebraten geben sollte. Den mochte die ganze Bärenfamilie sehr gern. Es war etwas Besonderes. Es gab nur ein- oder zweimal im Jahr Gänsebraten.

Hatten wir ganz dicht bei unserer Laubhütte nicht einen Fasan gesehen, dachte Biene so still in sich hinein. Fasane kann man auch essen, auch das hatte die kleine Bärin in einem Bilderbuch gesehen.

„Aber die fliegen immer ganz schnell weg, wenn man zu dicht kommt!“ sagte Björn, als Biene ihm später von ihrer Idee erzählte. „Dann müssen wir überlegen, wie wir den Fasan trotzdem bekommen.“ Sagte Biene ganz im Jagdfieber.

Das ein Tier meistens stirbt, wenn es gejagt wird, und ganz bestimmt, wenn man es Essen möchte, das war den beiden irgendwie nicht ganz klar – dazu waren sie wohl noch zu klein…

„Ich hab’s!“ rief ausnahmsweise diesmal Björn, „Wir bauen uns Pfeil und Bogen!“ „Super!“ rief Biene. Beide waren so laut gewesen, dass sie jetzt aufgeregt lauschten, ob Oma-Bär womöglich etwas mitbekommen hatte und gleich neugierige Fragen stellen würde. Oma-Bären konnten ja sooooo anstrengend sein…

Biene und Björn suchten sich schnell alles zusammen, was sie zum Pfeil- und Bogenbauen zu brauchen meinten und machten sich auf den Weg zu ihrer Laubhütte.

Biene hatte wieder Saft eingepackt – Björn hatte ein paar Käsestullen in seinem Rucksack. Das Wetter war richtig schön und gar nicht so kalt wie am Vortag.

An der Laubhütte angekommen staunten sie über ihre eigene tolle Arbeit. Die Sonne schien in den Eingang der Hütte und hatte den Boden getrocknet. Man konnte jetzt dort sitzen, ohne einen nassen Bärenpöter zu bekommen.

Dort setzten sie sich und Biene fing an, aus dem mitgebrachten dünnen Strick und unterwegs gesammelten Zweigen und Stöcken einen Bogen zu basteln. *Zinnnggggg* – das Geräusch zeigte: Er war richtig straff. Björn hatte unterdessen die Rinde von einem stabilen Zweig geschält und ihn ganz glatt geschnitzt. An einem Ende hatte er eine Kerbe für die Bogensehne gemacht und die andere Seite des Zweiges gespalten. Mit Bienes Hilfe schob er nun einen sehr dünnen, spitzen Nagel in die Kerbe und umwickelte diese Konstruktion mit Draht ganz fest damit die „Pfeilspitze“ sich nicht verschob.

„Toll, Björn!“ lobte Biene ihren Kumpel „Damit kriegen wir bestimmt einen von diesen Flattermännern.“ Die beiden strahlten sich an, weil es einfach Spaß machte, wenn man als Team so gut zusammen ‚funktionierte‘. Dieses Grundes waren sie sich aber nicht wirklich bewusst – dazu waren sie noch viel zu jung.

Natürlich übten Biene und Björn erstmal mit ihrer Jagdwaffe. Ein großes Blatt an einem Baum und ein paar Schritte weit entfernt hingestellt und dann wurde der Pfeil abgeschossen. *Sirrrrr* vorbei, *Sirrrrr* vorbei, *Sirrrrr* vorbei. „Der Bogen geht nicht!“ nörgelte Björn sauer „da müssen wir noch was dran ändern.“ „Zeig mal“ sagte Biene, nahm ihm den Bogen ab, holte den Pfeil wieder aus den Büschen hinter dem Baum und probierte es selber. *Ssssssst-prrrrrrrr*! Der Pfeil vibrierte mitten im Ziel. Biene hatte das Blatt am Baum gleich mit dem ersten Versuch ‚erlegt‘.

Björn war sichtlich beeindruckt und auch ein wenig neidisch – das wollte er auch können. Biene war oft auf Anhieb ein Naturtalent, aber wo andere durch ganz viel Übung immer besser wurden, wurde es Biene eher langweilig. Auf alle Fälle stand für Björn und Biene jetzt fest: Biene würde die Jägerin sein.

Da man natürlich als Einzelbärin viel leiser auf die Pirsch gehen kann, beschlossen die beiden, dass Björn in der Laubhütte blieb und noch ein paar Pfeile schnitzte und Biene allein jagen ging.

*Schleich, schleich* – Biene gab alles, um nur ja nicht zu früh einen von diesen bunten Vögeln aufzuscheuchen. Das es auch unscheinbare Fasane -die Hennen- gibt, wusste sie noch nicht. Den Bogen hielt sie mit halbgespanntem Pfeil vor sich. Wenn man Bilderbücher aufmerksam ansieht, kann man scheinbar fast alles lernen.

Plötzlich ein Geräusch im Gebüsch *raschel* und Bienes Herz blieb für einen ganz kurzen Moment stehen. Tatsächlich – einer von diesen wunderschönen, bunten Fasanenvögeln erhob sich flüchtend in die Luft. Biene legte an, zielte und *zischschsch* – war der Pfeil ganz knapp an dem Fasan vorbeigesaust und das Tier flog hektisch flatternd außer Sichtweite.

Traurig und enttäuscht suchte Biene den Pfeil im Gebüsch und da war es dann auch schon passiert: Einen kurzen Moment vor lauter Frust hatte Biene nicht aufgepasst und war zu weit in den Sumpf gelaufen. *Kwitsch* „Ieeeeeeehhhh“ Biene war mit dem linken Bein knöcheltief in eine Matschpfütze getreten und weil sie sich dabei so erschrocken hatte und fast gestürzt war, war sie auch noch mit dem rechten Bein beim Abfangen bis knapp unter den Po in ein Sumpfloch eingesunken.

„Üääääääähhh, das ist ja eklig!“ sagte Biene. Hören konnte sie hier niemand. Björn in der Laubhütte war viel zu weit weg. Biene hielt sich an hohen Schilfgrasbüscheln fest und zog sich langsam aus dem Sumpfloch. *Schlüüüüüüüüüüürf-Plopp* machte es. Biene nahm sich vor, nie wieder beim Kakaotrinken zu schlürfen.

Da lag ja auch der verschossene Pfeil. Biene schnappte ihn und machte sich wie begossener Pudel auf den Rückweg zu Björn. *Patsch-Kwitsch, Patsch-Kwitsch, Patsch-Kwitsch*. Es hörte sich nicht nur doof an, es war auch ein ganz doofes Gefühl. Die linke Tatze matschig – sie konnte den Schlamm zwischen den Zehen fühlen und am rechten Bein triefte das Fell nur so vor rostbraunem Sumpfwasser. Riechen tat es auch eklig.

„Bjöörn, Bjööörn, Bjöhööörn!“ jetzt war es Biene total egal, ob sie einen Fasan oder auch nur ein Schokokeks aufscheuchte. Sie wollte nur noch nachhause. Björn musste sich ein Grinsen verkneifen, als er Biene sah. Seine stolze Biene, die immer alles konnte. Aber sie tat ihm auch leid. „Es hätte aber auch noch schlimmer kommen können!“ sagte Björn tröstend zu Biene „Stell Dir vor, du wärst nicht allein da rausgekommen oder hättest Dir beim Sturz den Kopf gestoßen! Komm, ich bring Dich nachhause!“

Björn schnappte sich nur das Taschenmesser und ließ die angefangenen Pfeile am Boden in der Laubhütte liegen, Biene warf den Bogen und ihren Pfeil, wegen dem das ganze Malheur passiert war, hinterher und beide machten sich auf den Rückweg.

Biene schämte sich furchtbar, als sie die ersten Bärenhöhlen der Siedlung erreichten. „Wie sehe ich denn aus?“. „Wie eine kleine Bärin, die Glück gehabt hat.“ sagte Björn nur ganz abgeklärt.

Biene war trotzdem froh, dass niemand sie sah bis sie zuhause waren. Oma-Bär schlug entsetzt die Tatzen über dem Kopf zusammen, als sie Biene sah. „Was ist denn passiert? Wo habt Ihr Euch denn wieder rumgetrieben?“ Kleinlaut berichtete Biene dass sie wegen des Jagdmisserfolges einen Moment nicht aufgepasst hatte.

„Jagd!? Was für eine Jagd?“ fragte Oma-Bär hellhörig geworden. Jetzt erzählten Biene und Björn ganz stolz, dass sie eine Laubhütte gebaut hatten und dass sie Jagd auf einen Fasan gemacht hatten und es mit dem Fasanenbraten auch fast geklappt hätte. Oma-Bär war fassungslos.

Dass Oma-Bär so entgeistert guckte, konnten sich die beiden kleinen Bären gar nicht erklären. Sie war sonst eigentlich immer stolz auf jede Leistung. „Was ist denn los Oma? Haben wir etwas falsch gemacht?“ fragte Biene vorsichtig.

Oma-Bär nahm die beiden bei der Hand, setze sie nebeneinander auf das Sofa, gab jedem einen saftigen Apfel und versuchte so ruhig wie möglich zu erklären, was der Sinn eines „Naturschutzgebietes“ ist. In einem Solchen hatten die beiden Kleinbären nämlich munter Bäume gefällt, geschützte Pflanzen abgeschnitten und zuschlechterletzt auch beinahe noch gewildert.

„Seid bloß froh, dass Biene nicht getroffen hat! Wenn Ihr mit dem toten oder -noch schlimmer- schwer verletzten Fasan hier durch die Siedlung gegangen wärt, dann hätte Euch bestimmt jemand gesehen – dann wär hier aber was los gewesen! Polizei-Bären, Förster-Bären, Naturschutzbehörden-Bären,…“

Die beiden Bären verstanden, was sie getan hatten und versprachen feierlich, nur noch auf den Wegen zu bleiben, wenn sie durch das Gebiet kamen und lieber mehr leckere Sachen von zuhause mitzunehmen, wenn sie die nächsten Abenteuer bestehen wollten.

Als sie später einmal mit Mama- und Papa-Bär beim Spaziergang an einer Stelle vorbeikam, von wo aus man die Laubhütte hätte erspähen können. Sahen sie, dass wahrscheinlich der Förster-Bär alle Spuren soweit beseitigt hatte, damit keine Nachahmer angelockt würden.

Und wie bei der 1. Geschichte schon, hat sich dies ebenfalls tatsächlich so zugetragen. Lediglich eine literarische Aufarbeitung hat stattgefunden und ‚in echt‘ war noch ein 3. ‚Bär‘ beteiligt, der aber für den Verlauf der Story nicht wirklich wichtig war.

Die Bärenjagd – Teil 1

Also, es war einmal die kleine Bärin Biene, die spielte am liebsten draußen in der freien Natur. Nicht in der Höhle, das war laaaaangweilig. Sie hatte auch einen kleinen Bärenfreund, Björn ging es genauso, drinnen spielen war so öde.

Gemeinsam tollten Biene und Björn durch den Garten, die Wiesen und Wälder. Immer wieder gruben sie sich eigene Höhlen im Hühnergarten -es waren eher nur flache Mulden im Erdhügel, der sich dort befand- oder bauten sich ein Baumhaus -es war eher nur eine Plattform, die sofort aus dem Baum fiel, wenn man auch nur eine Tatze etwas falsch aufsetzte- aber die beiden fanden es großartig.

Eines Tages beschlossen sie: Wir bauen uns eine Laubhütte in der Wildnis.

Dafür benötigt man: 1 Axt, 1 Säge, 1 Taschenmesser und ein dünnes Seil. In Keller und Schuppen der elterlichen Höhlen wurden sie recht schnell fündig. Mit dem Werkzeug in Björns Rucksack und mit Keksen und Saft als Proviant in Bienes Rucksack zogen sie los in Richtung Wildnis am Rande der Bärensiedlung.

Zaghaft stapften sie durch das Gestrüpp, schließlich wollte keiner von beiden ein nasses Fell bekommen. Das Gelände hier war nämlich sehr sumpfig und beide hatten Angst, im Moor zumindest bis zum Pöter einzusinken. Es war Oktober – also schon so, dass ein trockenes, flauschiges Fell definitiv angenehmer war als ein nasses.

Die beiden fanden eine nette, klitzekleine Lichtung, an deren Rand sie sich prima eine Laubhütte vorstellen konnten.

„Komm, wir räumen die Äste am Boden beiseite und legen fest, wie groß die Hütte werden soll!“ sagte Biene zu Björn. Biene war etwas älter als Björn und auch viel praktischer veranlagt. Bärenmädchen und Menschenmädchen unterscheiden sich in der Hinsicht kaum. Björn und Biene räumten eine kleine Fläche frei.

Als nächstes hallte das klock-klock einer Axt durch die Büsche, als Biene versuchte, eine kleine Birke zu fällen. „Schnauf! Das sieht in Bilderbüchern immer so einfach aus!“ Im schon dichter werdenden Winterfell konnte einem kleinen Bären schon ganz schön warm werden. Irgendwann konnte Biene nicht mehr.

Björn hatte in der Zwischenzeit mit dem Taschenmesser etliche lange Rohrkolben-Stängel geschnitten. Die sollten die beiden zeltförmigen Dachseiten der Laubhütte sein, hatten die beiden beschlossen. Jetzt half Björn Biene beim Baumfällen.

Sie versuchten es mit der Säge. Auch das sah in Bilderbüchern vieeeeeel einfacher aus, als es in Wirklichkeit war. Man musste sich schon gut absprechen, wer gerade zog und wer gerade schob.

Nach viel Bärenschweiß und einigen Blasen an beider Tatzen war sie fertig – die Bärenlaubhütte. Der dünne Birkenstamm lag oben von einer Astgabel zu einer anderen; daran waren Zweige von der Birke als Längs- und Querstützen mit kurzen Stücken vom Seil festgebunden; darauf mit Schilfblättern die Rohrkolbenstängel geknotet. Es sah richtig stabil aus.

„Du, Björn, wenn wir jetzt so eine tolle Hütte hier in der Wildnis haben, dann müssen wir doch jetzt auch irgendwie auf die Jagd gehen, oder? Nur von Keksen und Saft, können so aktive Bären wie wir doch nie groß werden.“ Björn war immer Feuer und Flamme, wenn Biene einen Vorschlag machte, so auch jetzt. „Ja“ brummte er aufgeregt „dann brauchen wir aber Waffen für die Jagd! Mit einem Taschenmesser kann man doch nicht jagen.“ „Da hast Du Recht“ sagte Biene „ich werde mir etwas überlegen.“

Erstmal gingen Biene und Björn nach Hause, denn der Himmel fing ganz langsam an, dunkel zu werden. Und wenn es draußen dunkel ist, müssen kleine Bären bei ihren Eltern in der Höhle sein.

Piris Bärenausreißer-Geschichte

Also, es war einmal eine kleine Bärin, die war mit Omabär allein zuhause.

Mamabär und Papabär mussten arbeiten weil das Bärenhaus noch nicht bezahlt war. Die kleine Bärin war Omas ‘Ein und Alles‘ aber auch geliebte kleine Bärinnen haben Trotzphasen.

Einmal, als der Schornsteinfegerbär dagewesen war, hatten sich Omabär und die kleine Bärin gerade gestritten. Omabär wollte nicht, dass die kleine Bärin beim Umpflanzen der vorgezogenen Kohlrabi-Pflänzchen hilft, weil sie dafür noch viel zu klein und ungeschickt war.

Wütend und enttäuscht radelte die kleine Bärin mit ihrem Dreirad auf dem elterlichen Grundstück umher. Bis sie an dem Gartentor zur Straße vorbeikam. „Komisch“ dachte die kleine Bärin „das ist doch sonst immer ganz zu!“ Sie nahm den Griff und probierte, ob sie das Tor weiter öffnen konnte. Tatsächlich! Es ging!

(Der Schornsteinfegerbär hatte nicht gewusst, dass er den Knauf ganz fest drehen musste zum Einrasten – damit kleine Bärenkinder das Grundstück nicht ganz allein zur vielbefahrenen Bundesstraße hin verlassen können.) Die kleine Bärin guckte ganz aufgeregt über die Schulter – Omabär hatte noch nichts gemerkt.

Ihr kam ein toller Gedanke: „Omabär will nicht, dass ich ihr helfe, mir ist langweilig und das Tor ist auf à ich hole einfach Mamabär und Papabär von der Arbeit ab! Die freuen sich bestimmt, wenn sie mich sehen…

Die kleine Bärin radelte los. Immer auf dem Gehweg entlang, links fuhren furchtbar viele Autos und große LKW an ihr vorbei, rechts waren erst Häuser dann ein Feld und  eine Autobahnauffahrt. Unter der dunklen Autobahnbrücke hindurch und einen Anstieg hinauf.

Dort war eine fremde Bärenfrau die den Gehweg vor ihrem Haus fegte. Als diese die kleine Bärin auf ihrem kleinen Dreirad sah, stutzte sie. „Na, Du bist doch bestimmt von zuhause ausgerissen, oder?!“ Die kleine Bärin brummte nur ein knappes „Nein!“ und radelte schnell weiter…
…weiter und weiter, entlang an vielen, vielen Häusern und über viele, viele Nebenstraßen hinweg, die von der Hauptstraße abgingen. Immer geradeaus bis zu einem großen Platz mit einem imposanten Gebäude am Ende. Der Bahnhof.

Langsam kamen der kleinen Bärin Zweifel. „Bin ich denn überhaupt noch richtig hier? Wie finde ich denn jetzt Mamabär und Papabär? Ich sehe hier niemanden, den ich kenne!“ Ganz erschöpft war sie vom vielen Strampeln mit den kleinen Bärenbeinchen auf den immerhin 3 km bis hier.

Sie war müde, hungrig und durstig.Jetzt fand sie die Idee, Mamabär und Papabär von der Arbeit abzuholen doch gar nicht mehr so toll. Die kleine Bärin fing an zu weinen, weil sie nicht mehr weiter wusste. Eigentlich würde sie jetzt viel lieber Omabär bei der Gartenarbeit zusehen und vielleicht auch einen leckeren Keks knabbern und von Omabärs leckerem Kakao trinken…„Aber hier ist keine Omabär, schluchz, und Mamabär und Papabär sind hier auch nicht, wimmer, schluchz, schnief…“

Plötzlich fuhr ein ganz komisches, grün-weißes Auto mit einem blauen Knubbel auf dem Dach ganz dicht an der kleinen Bärin vorbei und bremste; der Motor wurde abgestellt und dann ging die Beifahrertür auf. Ein furchtbar großer, netter Polizistenbär mit Mütze stieg aus. Er ging ganz vorsichtig und freundlich lächelnd auf das kleine Bärenmädchen zu und sagte: „Na, Gott sei Dank, hier bist Du ja! Deine Omabär macht sich schon ganz schreckliche Sorgen und alle Polizistenbären der Stadt suchen Dich!“

Der nette Polizistenbär nahm die kleine Bärin vorsichtig an der Hand und setzte sie in den Fond des Polizei-Bären-VW-Käfers. Das Dreirad verstaute er direkt daneben. „Wir bringen Dich jetzt wieder zu Deiner Omabär.“, sagte der Bärenpolizist auf der Fahrerseite des Wagens und ließ den Motor wieder an. Brummmmmmm, machte es, die Häuserdächer, die die kleine Bärin von ihrem Sitzplatz aus sehen konnte, drehten sich einmal, wie in einem Karussell und zack – waren sie schon zuhause…(Natürlich kam ihr das nur so vor, aber das war ja auch kein Wunder: 3 km radeln mit Bärenbeinchen im Vergleich zu einer Autofahrt!!!)

Zuhause angekommen, war Omabär nicht mal böse auf die kleine Bärenausreißerin, sie weinte nur vor Freude und Erleichterung, dass der kleinen Bärin nichts passiert war. Zukünftig wurde jedem Besucher GANZ genau erklärt, wie die Gartenpforte richtig zu bedienen war, damit die kleine Bärin bloß nicht nochmal solche Abenteuer ausprobiert, solange sie noch sooooo klein war.